Hitting the wall – Wenn dein Blog zur Bürde wird

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„Hitting the Wall“ ist ein Terminus welcher häufig in Zusammenhang mit einem Marathon gebraucht wird. Es ist der Punkt, vor dem sich jeder Marathonläufer fürchtet. Es ist der Punkt, an dem man das Gefühl hat, es geht nicht weiter. Man stellt sich selbst und seine Willenskraft in Frage. Man slowt down. Ja, manchmal ist dies der Punkt, an dem man beschließt in ein „Geh-Tempo“ zu wechseln. Und so manch ein Marathoni gibt an dieser Stelle auf.

Vergleicht man Blogging mit einem Marathon, so kann man durchaus Parallelen ziehen.

Zu Beginn spürt der Blogger pure Euphorie, die Motivation lässt alles wie ein Spaziergang aussehen. Dann kommt die Zeit in der Routine eintritt. Man kommt in seinen Blogging-Rhythmus. Man weiß was man tut auf seinem Blog und vor allem wie man es tut. Dies kann eine ganze Weile so anhalten… Wochen, Monate, Jahre…
Doch irgendwann kommen viele Blogger an den Punkt, wo nichts mehr geht. Der Blog wird zur Bürde. Neue Themen zu finden wird immer schwieriger. Man ist gelangweilt vom eigenen Blog, von den Topics, vom täglichen Rhythmus der einen dazu „zwingt“ seinen eigenen Standard aufrechtzuerhalten. Bloggen wird langweilig und zur Qual. An dieser Stelle geben viele Blogger (selbst nach Jahren an Blogging-Erfahrung) ihren Blog auf.

Doch wie schaffst du es deine persönliche Blogging-Wall zum Einstürzen zu bringen?

1. Redesign

Wenn du dir neue Laufschuhe kaufst, spürst du den Drang laufen zu gehen. Du kaufst dir ein neues Fahrrad und willst dich sofort auf den Sattel schwingen und den Wind in deinen Haaren spüren. Du kaufst dir ein neues Auto und der tägliche Weg durch den Stau zur Arbeit, zaubert dir ein Lächeln aufs Gesicht.

Mit deinem Blog ist es nicht anders. Wenn du ein neues Design hast, kommt automatisch das Bedürfnis neuen Content zu produzieren, der dem neuen Design gerecht wird und das wiederspiegelt, was du damit aussagen willst.

2. Leg dich nicht in Fesseln

Es gibt Blogs die täglich so viel Content produzieren, dass ich als Leser schon kaum nachkomme, alles zu lesen.
In Fact, zu Beginn meines Bloggerlebens war ich auch der Meinung mehr ist mehr. Ich postete täglich mindestens zwei Artikel. Ich war der Meinung ein Artikel pro Tag ist einfach nicht genug für meine Leser. Sicherlich war dies auch gut für meinen Traffic, doch ich stellte mich damit unter einen hohen Druck. Mein Job änderte sich und plötzlich hatte ich keine Zeit mehr jeden Tag zu posten und am Wochenende war ich so ko, dass ich es einfach nicht schaffte 14 Artikel vorzuschreiben, geschweige denn für diese Menge an Content ausreichend zu recherchieren.
Ich musste akzeptieren, dass es so nicht geht. Und plötzlich fiel der Druck von mir ab. Ich postete nur noch, wenn ich etwas zu sagen hatte. Meine Leser blieben mir treu und dankten mir für Artikel in denen plötzlich wieder viel Herzblut hing.

Wenn du eine feste Blogging Routine hast und an dem Punkt bist, wo du nicht mehr weiter weisst, brich mit deiner Routine. Aber erkläre deinen Lesern warum dieser Schritt gerade wichtig für dich ist. Sie werden es sicher verstehen und dir eine Menge Rückhalt geben. Deine Leser lesen lieber Posts von dir, von denen sie merken, dass du wirklich was zu sagen hast, als Posts bei denen man bereits im ersten Satz merkt, dass dieser Artikel nur geschrieben wurde, damit neuer Content auf dem Blog ist.

3. Verändere dein Umfeld

Normalerweise schreibe ich meine Blogposts immer an meinem Schreibtisch. Doch als ich heute diesen Post beginnen wollte, kamen meine Finger einfach nicht richtig über die Tasten. Ich war wie blockiert. Also nahm ich mein Laptopkissen und meinen Mac mit aufs Sofa, stellte Musik an und holte mir einen Kaffee. Und was soll ich sagen, ich schreibe plötzlich *g* und ich weiss genau was ich und wie ich es sagen will.
Manchmal machen kleine Veränderungen viel aus.
Bring etwas mehr Licht in den Raum, in dem du schreibst… Wenn es für dich funktioniert, dann nimm deinen Laptop hin und wieder mit in ein ruhiges Café und arbeite von dort. Oder dekoriere dein Arbeitszimmer um.

4. Timing ist alles

Leg dir dedizierte Zeiten fest, die nur dir und deinem Blog gehören.
Lass dich dabei von keinen Freunden, der Familie oder sonstwas ablenken. Diese Zeit gehört nur euch beiden. Du selbst legst dabei fest ob dies nur 30 Minuten pro Woche sind, oder vielleicht ein paar Stunden. Setze deine Ziele nicht zu hoch hierbei. Plane lieber moderat und stetig.

5. Nicht mehr Input. Neuer Input.

Sei ehrlich, wieviele Blogs liest du täglich, wöchentlich? Und wie oft ertappst du dich dabei, dass du sie aus reiner Gewohnheit überfliegst, die Topics dich aber nicht mehr inspirieren? Dass du manche Inhalte nur liest, damit du noch auf dem Laufenden bist?
Was du brauchst sind nicht MEHR Inhalte, sondern NEUE Inhalte um neue Inspiration zu finden. Um deine Motivation wieder zu finden und neue Skills zu erlernen.
Du bist vielleicht nicht mehr in der Schule, aber das heißt nicht, dass du nun nichts mehr neues lernen sollst.

6. The real life

Was mich persönlich aus jeder Bloggerkrise noch immer herausgeholt hat sind persönliche Gespräche mit anderen Bloggern. Meet-ups mit Gleichgesinnten, BarCamps, Konferenzen und Bloggergruppen.
Gerade Konferenzen und BarCamps dienen mir als riesige Inspirationsquelle. Ich lerne nicht immer Neues hinzu, doch indem ich anderen Rednern zuhöre, sehe ich die Dinge aus ihrem Blickwinkel. Einem für mich neuen Blickwinkel, der neue Denkanstöße ermöglicht.
Ich kann Topics diskutieren, die mir auf der Seele brennen und Erfahrungen austauschen.

7. Der wichtigeste Punkt: Geh der Sache auf den Grund

Dieser Artikel kommt nicht von ungefähr. Denn mein eigentlicher Blog, Shoppingverse.de war für mich lange Zeit eine einzige Qual. Ich konnte mich kaum dazu bringen neuen Content zu posten und um ehrlich zu sein, wusste ich auch nicht mehr was ich noch posten soll.
Ich hatte das Gefühl aus ihm heraus gewachsen zu sein, er langweilte mich. Doch er ist mein Baby.

Wenn man bedenkt, dass dieser Blog monatliche Einnahmen erwirtschaftet, kann man sicher verstehen, dass neben jeder Menge Herzblut die im Laufe der Jahre in ihn floss, ich ihn alleine aus diesem Grund schon nicht einfach schließen möchte. Aus diesem Grunde überlegte ich beireits seit 2 Jahren, wie es weiter gehen soll mit Shoppingverse.

Ich habe für mich einen Weg gefunden.

Ich selbst habe ALLE oben genannten Punkte selbst versucht und eine Weile erreichte ich damit auch genau das, was ich erzwecken wollte. Doch das war (zumindest für mich) nicht genug.

Ich musste der Sache tiefer auf den Grund gehen und ich musste mir irgendwann eingestehen, dass a) das Konzept, wie es seit 2007 besteht, nicht mehr zeitgemäß ist und b) dieser Content auch nicht mehr meinen eigenen Interessen entspricht. Wie soll ich also über etwas schreiben, das mich selbst nicht mehr flasht? Und wie soll dies bitte schön meine Leser interessieren, wenn mir selbst die Lust verging?

Bis ich mir dies eingestehen konnte, verging eine ganze Weile und dann hieß es umdenken und umstrukturieren! Das Ergebnis sieht man hier. Meine Motivation ist wieder voll da! Ich bin euphorisch und freue mich auf das neue Projekt. Bring it on!

Fazit:

Manchmal hilft es bereits einen einzigen Punkt zu ändern, manchmal musst du aber wie ich, erst einmal lernen wo die tiefere Ursache liegt. Nimm dir auf jeden Fall Zeit und brich nichts vom Knie ab. Es ist auch nicht schlimm, erst einmal eine Blogpause einzulegen, um dich und deinen Blog zu erforschen. Doch halte dabei Kontakt zu deinen Lesern über twitter, Instagram, Facebook…. Denn wenn du wieder am Start bist, sind sie von Beginn an wieder mit dabei und du fängst nicht bei Null wieder an.

Und nun… Lass uns endlich diese Wand niederreißen!

9 Comments

  • Stephie sagt:

    Diese Gefühl mit dem Blog überfordert zu sein, da er einfach als Hobby so viel Zeit einnimmt und man doch immer besser werden möchte, lese ich derzeit sehr oft. Für mich ist er eine tolle Ablenkung von meiner Arbeit, nur manchmal fehlt mir nach der Arbeit der Elan noch am Blog zu arbeiten. Ich versuche da einfach einen Rhytmus für mich zu finden, der zu mir passt. Täglich posten schaffe ich einfach nicht und ich möchte vermehrt auf Qualität statt Quantität setzen. Gern hätte ich noch mehr Zeit, um mich beim Blogdesign kreativer auszutoben, aber das muss wohl bis zum nächsten Urlaub warten.

    Danke jedenfalls für deine zahlreichen Tipps und weiterhin frohes Bloggen.

    Viele Grüße
    Stephie

    • Sandra sagt:

      Ich denke man muss hier unterscheiden, zwischen dem Szenario wie du es beschreibst, nämlich wirklich überfordert zu sein, weil man zu viel schaffen möchte und seine Ziele und den Blogrhytmus vielleicht etwas zu euphorisch angesetzt hat und einer Situation, wo man einfach feststellt, dass der Blog nicht mehr zu einem selbst passt, weil man aus den Themen herausgewachsen ist und sich verändert hat.
      Die Kunst ist es herauszufinden, in welcher der beiden Situationen man sich befindet, denn die „Betroffenen“ haben es oft schwer, dies zu erkennen und es braucht einfach ein Weilchen, bis man sich klar darüber wird. Und auch wie es weitergehen soll.
      Aber schön zu lesen, mit welchem Elan du dabei bist. Deine Motivation ist richtig anstecken :)
      LG
      Sandra von GGtB

  • josali sagt:

    Liebe Sandra,
    für mich kommt Dein Post genau zum richtigen Zeitpunkt, da ich schon länger über die Ursache meiner Unlust nachgrübele, mir aber unsicher war, ob ein neues Design wohl hilfreich wäre.
    Du hast mich überzeugt, der ganzen Geschichte eine Chance zu geben und jetzt bin ich richtig motiviert, das Redesign anzugehen. Vielen Dank!
    LG
    Tanja

  • Gabi sagt:

    Hallo Sandra,

    dein Beitrag hat mich zum Nachdenken gebracht….vor ’ner halben Stunde war ich mal wieder auf der Suche nach einem neuen *Gesicht*….mir fehlt die Flexibilität meines Themes.
    Auch überkommen mich immer wieder Zweifel, ob ich weiter bloggen soll oder ob sich das überhaupt lohnt…interessiert sich überhaupt Jemand…nehm ich *meine kleine Welt* vielleicht zu wichtig….
    Aber ….es macht mir wirklich viel Spass Bilder zu zeigen, Neues zu entdecken und in die Tasten zu klimpern…

    Ich werd mich jetzt noch ein wenig bei dir schlau lesen!
    Danke für deine tollen Worte und Tipps!

    Liebe Grüße
    Gabi

  • Sandra sagt:

    Wenn der Spass noch da ist, dann ist sicherlich nur eine kleine Ändrung notwendig, um dir neuen Drive zu geben.
    Ich habe bei mir einen Großteil meiner Themen komplett umgestoßen und verändert. Nun passt alles besser zu mir. Leider habe ich zu lange alles schleifen lassen, so dass der Blog nun erst einmal wieder wachsen muss. Aber das gibt mir die Gelegenheit in Ruhe zu experimentieren, was funktioniert und was nicht. Es ist also nicht nur ein Neuanfang für meinen Blog, sondern auch für mich selbst. …und ich habe wieder Spaß an Shoppingverse.
    Viel Glück bei deiner Theme suche und viel Spaß auch weiterhin beim bloggen.

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